07.11.16 - So sah es der Gegner: Reutlingen vs. NSU 1:0
 
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Ein Sieg des Willens

Mit einer engagierten Leistung schlägt der SSV Reutlingen den Aufsteiger Neckarsulmer Sport-Union verdient mit 1:0 (1:0) und festigt Tabellenplatz Acht. Eine starke erste Hälfte sichert wichtige drei Punkte.

Ein wenig Weltuntergangsstimmung herrschte zu Beginn der zweiten Halbzeit im Stadion an der Kreuzeiche – Grund hierfür war aber nicht die Leistung der SSV Akteure, sondern vielmehr das novembertypische Wetter. Unter dem Schein des mittlerweile eingeschalteten Flutlichts sahen 858 Zuschauer, wie die Elf von Trainer Jochen Class sich drei weitere Punkte erkämpfen konnte. Im strömenden Regen boten die vom eng gesteckten Spielplan strapazierten Spieler des SSV Reutlingen alles in ihrer Macht Stehende auf, um den Punktgewinn zu sichern.

Bereits zu Beginn nahm der Klub von der Kreuzeiche das Heft in die Hand und kontrollierte die Anfangsphase der Oberligapartie. Nach den ersten zehn Minuten gestaltete sich das Spiel allerdings etwas ausgeglichener. Dabei hatten die Hausherren in der elften Minute durchaus Glück, dass die Angriffsreihe der Neckarsulmer in Person von Busch nicht konsequent genug agierte. Nach einem Durchbruch auf der rechten Seite waren die Angreifer der Gäste zu dritt auf den Reutlinger Torhüter Knauß zugestürmt, eine unentschlossene Ablage und großartige Teamarbeit von Keeper und Verteidigern verhinderte einen frühen Rückstand. Diese vergebene Chance sollte sich kurze Zeit später rächen. In einem nun zerfahrenen Spiel konnten beide Teams zunächst keine klaren Akzente setzen, ehe ein eklatanter Torwartfehler der Gäste aus dem Unterland für die Führung des SSV Reutlingen sorgte.

Gäste-Keeper Susser war in der 23. Minute unter Schiffels sehenswerter Flanke aus dem linken Halbfeld hindurchgesprungen, was Seemann den Kopfballtreffer zur Führung ermöglichte. Ab diesem Moment war der SSV Reutlingen die klar bessere Mannschaft, dominierte und kontrollierte nun das Spiel der ersten Halbzeit. Nur zwei Minuten nach der Führung hätte Ubabuike auf 2:0 erhöhen können, wenn nicht sogar müssen. Gäste-Torhüter Susser machte seinen Fehler kurze Zeit zuvor wieder wett und verhinderte den zweiten Treffer des Tages mit einem starken Reflex. Die Kicker von der Kreuzeiche fuhren nun im Minutentakt gute Angriffe gegen die Abwehr der zu diesem Zeitpunkt passiv agierenden Gäste. Und erneut war es Ubabuike, der das beruhigende zweite Tor hätte erzielen können. Von der aktiven linken Seite hatte Rohr eine mustergültige Flanke in den Strafraum geschlagen und Ubabuike sich in den Ball hineingeworfen, sein Kopfball verfehlte das Ziel allerdings deutlich. Verärgert schlug der gebürtige Nigerianer vor dem Tor der Gäste auf den Rasen, im Wissen, dass ein zweiter Treffer dem SSV Reutlingen das Spiel deutlich erleichtert hätte.

Druckvoll agierte weiterhin nur der Kreuzeicheklub, der sich immer wieder hochkarätige Chancen erarbeitete. Ein schöner Kopfball Seemans, nach Flanke Ubabuikes, brachte jedoch nichts Zählbares ein. Sowohl beim Publikum als auch beim Trainerstab des SSV reifte die Erkenntnis, dass die Chancenverwertung nach wie vor eine der größten Baustellen der Mannschaft ist. Neben dem fehlenden Glück beim Abschluss kam nun auch noch Pech dazu: Schiedsrichter Kern verweigerte SSV-Stürmer Schachtschneider einen möglichen Elfmeter. Nachdem der Tormann der Gäste einen satten Schuss von Andreas „Bobo“ Mayer nur mit einer Hand hatte abklatschen können, wurde der einschussbereite Schachtschneider von einem Neckarsulmer Abwehrspieler unsanft von den Beinen geholt. Ein Pfiff blieb jedoch aus, was viele der Anwesenden nicht nachvollziehen konnten. Drei Minuten vor der Pause offenbarte die Class-Elf erneut schönes spielerisches Potential. Nach einem Doppelpass mit Golinski zeigte sich der Top-Torjäger des SSV, Schachtschneider, aber etwas zu verspielt. Sein spätes Abspiel konnte Kapitän „Bobo“ Mayer nicht mehr gewinnbringend verwerten. Augenblicke vor dem Pausenpfiff zeigten die Neckarsulmer kurzzeitig ihr Potential auf und forderten dem guten Reutlinger Keeper Knauß eine starke Parade ab. Schneckenberger hatte nach einer guten Ablage von der rechten Seite im Strafraum abgezogen, war aber mit seinem Versuch gescheitert. Nach einer starken ersten Halbzeit stand eine dem Spiel in der Höhe nicht ganz angemessene, knappe Führung der Heimmannschaft zu Buche. Der Chancenwucher der ersten Hälfte könnte sich im weiteren Spielverlauf rächen, fürchteten einige der Zuschauer bereits.

Unter starken Regenfällen und dem Schein der Flutlichtmasten begann die zweite Halbzeit. Während der SSV nun dem hohen Tempo und den großen Belastungen der letzten Wochen Tribut zollen musste, verließen die Gäste aus dem Unterland die Kabine rundum verbessert. Mehrere Chancen, darunter auch eine gefährliche Ecke, die vorbei an Freund und Feind wieder ins Toraus rollte, brachten den SSV unter Zugzwang. Gelegentlich gelang der Elf von Trainer Class die Entlastung durch einen Konter, allerdings verpufften die Aktionen meistens ohne große Wirkung. Nach und nach geriet der SSV Reutlingen stärker unter Druck, konnte die letztendlich harmlos agierenden Gäste aber unter Kontrolle halten. Mit großem Kampfgeist verteidigte die Elf den knappen Vorsprung bis ins Ziel. In der 88.Minute verpasste Schachtschneider mit seinem Kopfball die Entscheidung, da Gästekeeper Susser sicher parierte. Der mutige Einsatz der Hausherren spiegelte sich in den letzten Minuten auch in der Statistik der gelben Karten wider: Hartmann, Kuengienda und Schachtschneider erhielten allesamt in den letzten fünf Minuten eine Verwarnung. Ein verdienter Sieg, der dank einer überzeugenden und spielerisch starken ersten Hälfte eingefahren werden konnte.

Mit einer Bilanz von sieben Punkten aus den letzten drei Spielen zeigt sich die Elf von Trainer Class auf einem guten Weg. Unter den aktuellen Vorzeichen – einem nach wie vor großen Lazarett und der großen Anzahl an Spielen in den letzten 14 Tagen – ist diese Leistung hoch einzuschätzen. Nach dem Sieg gegen den Tabellenfünften Neckarsulm wartet bereits die nächste große Aufgabe auf die Mannschaft: Kommenden Samstag tritt der SSV Reutlingen auswärts beim Tabellendritten, dem 1.CfR Pforzheim an. Das Spiel beginnt 14:30 Uhr.

Aufstellungen:

SSV: Knauss, Schiffel, Haas, Lübke (83.Hartmann), Mayer, Golinski (Chatzimalousis), Schachtschneider, Seemann (73.Colic), Ubabuike (54.Kuengienda), Rohr, Yahkem

NSU: Susser, Neupert, Kappes (84.Seybold), Klotz, Gerstle, Hogen (84.Müller), Marche (66.Öztürk), Gotovac, Busch, Neupert, Schneckenberger (66.Quadie Barini)

Tore: 1:0 Seemann (23.)

Von: Marko Knab
 
 
 
(c) Südwestpresse vom 07.11.16
 
Seemann nutzt Torwartfehler aus

Der SSV Reutlingen Fußball kam gegen den besten Oberliga-Neuling der Saison, der nach sieben Spielen ohne Niederlage  wieder verlor, zu einem verdienten 1.0. Die Gäste traten ohne Torjäger Hess an (bisher elf Tore), hatten  vor der Pause  zwei Chancen. Knauß rettete gegen Busch und Schneckenberger. Dagegen ging der SSV in der 23. Minute in Führung, als Neckarsulms Torwart Marcel Susser unter einer Schiffel-Flanke hindurchsegelte, Daniel Seemann nützte den Fehler aus und köpfte ein. Es war sein vierter Treffer der Saison, der einfachste. Dann kam das Manko der Saison zum Tragen: die mangelhafte Chancenverwertung. Daran müssen die Reutlinger feilen, sonst rächt sich das noch. Die 860 Zuschauer Fans mussten bangen. Francis Ubabuike scheiterte frei vor Susser am Keeper und köpfte nach toller Rohr-Flanke (Rohr war bester Reutlinger)  daneben. Das müssen Tore sein. Mayer vergab aus  elf Metern. Nach der Pause  hielt Marcel Knauß  einen Schneckenberger-Schuss. Beim SSV, der mit letztem Aufgebot antrat,  machte sich der Substanzverlust  bemerkbar. Vier Spiele in elf Tagen sind eine hohe Belastung, der Akku war leer. Trainer Class stellte hinten um. Yahkem als Abwehrspieler. Mit  Ivo Colic und Christos Chatzimalousis kamen zwei A-Jugendliche zum Einsatz. Hartmann kam, spielte mit Schmerzen, haute sich rein. Er half mit, das 1:0 über die Runden zu bringen. Golinski und Schachtschneider vergaben, während Rohr in höchster Not klärte. Denis Lübke sprach von einem Zittersieg. SSV-Fußball-Chef Michael Schuster meinte: „Das war das letzte Aufgebot, die Spieler gaben alles.”

Maximilian Rohr will nun einen Schnell-Kurs für Abwehrspieler besuchen. Tom Schiffel  sagte: „Wir wurden endlich belohnt, doch es ist eine SSV-Krankheit, solche Chancen zu versieben, wir spannen die Fans lange auf die Folter.”

Andreas Mayer bilanzierte: „Das war wichtig, denn die Gäste waren spielstark. Wir gaben Gas und liefen viel, gingen an Grenzen und darüber hinaus, können es uns leichter machen, wenn wir die Chancen zum 2:0 oder 3:0 machen. Der Teamgeist ist super, jeder kämpft für jeden. Noch fehlt bei uns die Erfahrung. Wir sollten im Winter nachlegen, dann uns für die neue Saison einspielen  und das jetzige Team, das Potenzial hat, behalten. Da sehe ich gute Perspektiven.”

Jochen Class meinte: „Es war ein Arbeitssieg  mit Kampf und Leidenschaft errungen. Es wurde eng, weil wir es versäumten, den Sack zum 2:0 zuzumachen. Da spielten wir uns Chancen richtig gut heraus. Wir spielten in der Offensive zielstrebig nach vorne, denn der Gast aus Neckarsulm ist spielerisch stark. Ich stellte links um, brachte zwei A-Jugendliche, die frech auftreten sollten. Doch wir müssen einfach bei den Chancen nachlegen. Rohr spielte stark und welcher Teamgeist herrscht, sah man bei Hartmann, der  trotz Schmerzen einfach rein wollte. Die Jungs haben alles weggesteckt. Wir gaben alles und nun kann ich nach den Regenerationstrainings endlich wieder richtig trainieren.”

Gäste-Coach Thorsten Damm lobte die Atmosphäre durch die knapp 900 Zuschauer: „Ich zog sie rein, meine Spieler leider nicht. Der Reutlinger Sieg war verdient. Für die erste Halbzeit gebe ich die Schulnote 5-. Wir haben die erste Halbzeit glimpflich beendet, dann standen wir in der Defensive besser, ließen wenig zu, kamen aber selbst auch kaum zu Chancen und spielten dem SSV Reutlingen in die Karten.” Der SSV gastiert nun in Pforzheim und Balingen – zwei  dicke Brocken.

  • So spielten sie

SSV Reutlingen Fußball  – Neckarsulmer SU 1:0

SSV Reutlingen: Knauß – Schiffel, Rohr, Haas, Lübke – Yahkem – Golinski (90. Chatzimalousis), Mayer, Ubabuike (55. Kuengienda), Seemann (74. Colic) – Schachtschneider.
Neckarsulmer SU: Susser – Gotovac, R. Neupert, Kappes (84. Seybold), Klotz, Schneckenberger (66. Barini), Marche (66. Öztürk), S. Neupert, Busch, Gerstle, Hogen (84. Müller).
Tor: 1:0 Seemann (23.).
Gelbe Karten: Schachtschneider, Kuengienda, Hartmann – Klotz.
Eckballstatistik: 2:7.
Schiedsrichter: Maurice Kern (Stuttgart).
Zuschauer:  858.

 
 
 
(c) Reutlinger General-Anzeiger vom 07.11.16
 

REUTLINGEN - NECKARSULM 1:0 - Dritter Pflichtspielsieg in Folge für den SSV. Class: Die Jungs haben alles gegeben

Wieder ist Seemann für den SSV Reutlingen zur Stelle

VON MANFRED KRETSCHMER

REUTLINGEN. Kreuzeiche-Stadion, 23. Minute – in der Fußball-Oberliga-Partie zwischen dem SSV Reutlingen und der Neckarsulmer SU flankt Tom Schiffel in den Strafraum, der ansonsten stark haltende, in dieser Szene allerdings unglücklich agierende NSU-Keeper Marcel Susser verpasst den Ball, Daniel Seemann drückt ihn per Kopf über die Linie. 1:0 für den SSV. Es ist das Tor des Tages. Reutlingen gelingt der dritte Pflichtspielsieg in Folge, Neckarsulm muss sich erstmals nach sieben Partien geschlagen geben.

Ist Seemann nun das neue Reutlinger Kopfball-Ungeheuer? Fakt ist, dass die beiden letzten SSV-Treffer per Kopf auf das Konto des Ex-Nehreners gehen. Beim 1:1 in Göppingen war er nach einer Ecke von Andreas Mayer erfolgreich, gegen Neckarsulm war das Goldköpfchen wieder zur Stelle. »Ich habe auch schon früher Kopfballtore erzielt«, versichert der 24-Jährige. Beim SSV sei das bislang selten passiert, weil er zumeist für das Treten der Eckstöße verantwortlich gewesen sei.

Überragender Maximilian Rohr

»Wir wollten schnell und zielstrebig nach vorne spielen«, gab Reutlingens Trainer Jochen Class Einblick in seine taktischen Gedankengänge. Seine Schützlinge setzten die Vorgabe in der ersten Hälfte gut um. Der SSV war klar spielbestimmend, kombinierte phasenweise ansehnlich und erspielte sich einige gute Möglichkeiten. Ein Freistoß aus 20 Metern von Seemann (3. Minute) touchierte die Latte, Francis Ubabuike (25.) scheiterte an Torhüter Susser, nach einer bärenstarken Kombination über Daniel Schachtschneider und Maximilian Rohr verfehlte ein Kopfball des freistehenden Ubabuike (29.) knapp das Ziel, Susser wehrte einen strammen Mayer-Schuss (37.) aus 14 Metern ab, nach einer Einzelleistung von Rohr zögerte zunächst Schachtschneider zu lange, ehe der Schuss von Marc Golinski knapp am Gehäuse vorbeizischte (42.). Apropos Rohr: Der 21-Jährige musste wegen der akuten Personalnot wieder als Innenverteidiger in die Bresche springen und zeigte eine überragende Leistung. Der vom VfB Eppingen aus der Landesliga zum SSV gekommene Rohr ist ein Rohdiamant, der im Mittelfeld noch wertvoller für den Kreuzeiche-Club sein dürfte. »Wir hätten in der ersten Hälfte das zweite und dritte Tor machen müssen«, haderte Class mit der schlechten Chancenverwertung. Der Neckarsulmer Coach Thorsten Damm pflichtete ihm bei: »Der Sieg für Reutlingen war verdient. Wir lagen mit viel Glück zur Pause nur mit 0:1 im Rückstand.« Im ersten Durchgang habe bei seiner Elf, die vor Wochenfrist mit einem 1:0-Sieg gegen Spitzenreiter SC Freiburg II für einen Paukenschlag gesorgt hatte, »die Körpersprache nicht gestimmt«.

Fünftes Spiel in 14 Tagen

In der zweiten Halbzeit war Neckarsulm spielbestimmend, hatte aber nur wenige gute Möglichkeiten. Die Reutlinger Hintermannschaft arbeitete gut, und wenn mal ein Ball durchrutschte, war der einmal mehr aufmerksame Torhüter Marcel Knauß zur Stelle. Beim SSV machte sich der Kräfteverschleiß bemerkbar. Kein Wunder, schließlich war der Vergleich gegen Neckarsulm das fünfte Spiel in 14 Tagen. »Die Jungs haben alles gegeben«, lobte Class die Einstellung seines Teams. Der Fußball-Vorsitzende Michael Schuster schlug in die gleiche Kerbe: »Das war ein Super-Fight.«

Als Neckarsulm im Laufe der zweiten Hälfte alle Mann nach vorne warf, gab es für den SSV, bei dem der A-Jugendliche Ivo Colic sein Oberliga-Debüt bei den Aktiven gab, immer wieder gute Konter-Situationen, die allerdings zumeist schlampig gespielt wurden. Da müssen mehr Klarheit in den Aktionen, mehr Ballsicherheit und mehr Torabschlüsse her – es gibt weiterhin viel zu tun für Trainer Class. (GEA)