28.07.16 - Am Samstag WFV-Pokal: NSU empfängt "Gradmesser" FSV Hollenbach
 

Robin Neupert saß lässig auf der Auswechselbank. Nach dem 1:1 am vergangenen Dienstag gegen die Stuttgarter Kickers strahlte der Neckarsulmer Neuzugang Zuversicht aus: „Wir können mit dem Spiel und dem Ergebnis zufrieden sein“, diktierte er in die Notizblöcke der Journalisten. Die Sport-Union hatte spieltaktisch, aber überraschenderweise auch körperlich gegen den Regionalligisten gut mitgehalten. „Thorsten Damm hat uns in den ersten Wochen ganz schön gequält, und wir haben nun sowohl gegen Nöttingen als auch gegen die Kickers gesehen, dass wir konditionell und vom Tempo her mitgehen können“, so der ehemalige Mannheimer, der in beiden Spielen eine starke Leistung in der Innenverteidigung ablieferte. Hinzu kamen auch die lautstarken Kommandos des Neuzugangs, die dem Gesamtverbund ungemein helfen.

 
Bild (c) Württembergischer Fußballverband
 

Da konnte Robin Neupert selbst die Szene kurz vor der Pause, als er mit seinem zu kurzen Rückpass auf Leander Wallmann unfreiwillig einen Tor-Assist sammelte, mit einem Schmunzeln kommentieren: „Da ist ganz klar unser Platzwart Osman dran schuld. Wenn der Rasen nicht so stumpf gewesen wäre, dann hätte alles gepasst.“ Klar, das war nicht ernst gemeint. „Das war mein Ding, keine Frage“, gab der 24-Jährige unumwunden zu. Noch auf dem Weg in die Halbzeitkabine haderte Robin Neupert lautstark mit sich selbst. Doch seiner starken Vorstellung im Abwehrzentrum, mit kaum einem verlorenen Zweikampf schmälerte dies nicht im Geringsten. Und wenn man in Testspielen keine Fehler machen darf, wann dann?

Am Samstag kommt es nun also zur ersten echten Standortbestimmung mit Pflichtspiel-Charakter für unser Team. Um 15 Uhr erwartet die Sport-Union den Oberliga-Konkurrenten FSV Hollenbach zur ersten Runde im WFV-Pokal auf dem Pichterich. Und es herrscht vorsichtiger Optimismus im Neckarsulmer Lager vor diesem spannenden Pokalderby. Natürlich, Ergebnisse von Vorbereitungsspiele sind schon einen Tag danach Makulatur, oder wie es Sportdirektor Marco Merz ausdrückte „Das 1:1 gegen die Kickers bringt uns für die Oberliga-Runde nicht einen einzigen Punkt mehr.“ Dennoch gab es gegen die "Blauen" wichtige Fingerzeige für die anstehende, kräftezehrende Oberliga-Saison. Zum Einen stand die Sport-Union defensiv sehr kompakt, ließ in den 90 Minuten gegen die Stuttgarter gerade einmal 3-4 Torhancen zu. Zum anderen gefiel das schnelle Umschaltspiel sowie das gradlinige abschlussorientierte Spiel nach vorne. Selbst die Standards, in den bisherigen Testspielen so etwas wie das Neckarsulmer Sorgenkind, scheinen wieder auf dem Weg zur alten Gefährlichkeit. Das sorgte auch bei Trainer Thorsten Damm für Erleichterung, wenngleich dieser relativierte: „Standards waren bislang aber auch noch kein Inhalt der Trainingsarbeit“.

Ein großes Thema ist für den Neckarsulmer Coach hingegen das Spieltempo. „Wir konnten die Dynamik der Kickers mitgehen“, konstatierte Thorsten Damm. Doch ein anderer Aspekt ist ihm viel wichtiger: „Wir werden in der Oberliga sicherlich in die Situation kommen, dass wir nicht nur das Tempo des Gegners annehmen, sondern dieses auch selbst bestimmen müssen. Es wird interessant zu sehen sein, wie wir diesen Aspekt in der Punktrunde umsetzen werden.“ Denn der Sport-Union-Übungsleiter ist sich sicher: „Die Oberliga kannst Du in Testspielen nicht adäquat simulieren. In der Punktrunde werden die Spiele noch härter, noch schneller und noch umkämpfter.“

Die anstehende Begegnung gegen Hollenbach sieht Thorsten Damm als guten Test an. „Aber nicht als Test im Sinne etwas ausprobieren zu wollen, sondern als Standortbestimmung.“ Will heißen: Die Hollenbacher sind als letztjähriger Oberliga-Sechster gleich ein echter Gradmesser, was die Spielklasse in punkto körperliche Robustheit und Aggressivität zu bieten hat. Mit gestandenen Recken wie Martin Schmidt, Martin Kleinschrodt oder Tizian Ammon gehen die Gäste sicher als leichter Favorit in die Begegnung.

Dennoch herrscht eine große Vorfreude auf die anstehenden 90, oder vielleicht sogar 120 Minuten gegen Hollenbach. Auch beim neuen Abwehrchef Robin Neupert. Wobei… Chef? Während Robin Neupert sich nach dem Abpfiff noch angeregt über das Kickers-Spiel unterhiellt unterbrach ihn sein kleiner Bruder und Mitspieler Steven jäh: „Komm´ jetzt in die Kabine.“ Mit einem Schmunzeln im Gesicht folgte der große Neupert sofort dieser Aufforderung. „Wenn der Chef ruft, dann hast Du eben keine Chance.“