21.04.17 - So sieht es der Gegner: Vor dem Spiel in Göppingen
 
(c) NWZ vom 21.04.17
 

SV Göppingen will Rechnung begleichen

Oberligist SV Göppingen erwartet am Samstag den Tabellendritten aus Neckarsulm. In der Vorsaison gelang beiden Mannschaften der Aufstieg.

Die Fußball-Oberliga biegt auf die Zielgerade ein. Nur noch fünf Spieltage stehen auf dem Programm. In drei Heim- und zwei Auswärtsspielen versucht der Göppinger Sportverein, die noch fehlenden Punkte für den Klassen­erhalt zu sammeln.

Am Samstag um 14 Uhr wartet dabei mit dem Tabellendritten Neckarsulmer Sport-Union ein harter Brocken auf das Team um Kapitän Oliver Stierle, der aber gar keine Zweifel am Erreichen des großen Ziels zulassen will: „Wir müssen mit breiter Brust auftreten und zeigen, dass wir heimstark sind. Ich gehe fest davon aus, dass wir die nötigen Punkte holen.“

Vier Zähler sollten es nach Stierles Meinung noch sein, um drin zu bleiben. Dann hätte der Sportverein 42 Punkte, mit denen es aber auch noch eng werden könnte. Die Stuttgarter Kickers II als aktueller Tabellen-13. spielen zum Beispiel noch gegen die abgeschlagenen Teams aus Neckar­elz und Hollenbach. Auch steht das eine oder andere direkte Duell im Tabellenkeller auf dem Spielplan. Auf eigene Endspiele an den letzten beiden Spieltagen gegen die Mitkonkurrenten Spielberg und Oberachern will es auch Oliver Stierle nicht ankommen lassen: „Das wollen wir vermeiden, der Verein hatte in den letzten Jahren mit den Relegationen genug Dramatik. Ich bin zuversichtlich, dass wir es vorher schon klarmachen.“

Dabei bleibt das Verletzungspech dem Sportverein weiter treu. Der Einsatz von Abwehrchef Stierle wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Der 33-jährige, der in der Winterpause seinen Vertrag bis 2020 verlängerte, hat sich das Außenband am Sprunggelenk angerissen. Beim Spiel in Karlsruhe blieb er im Rasen hängen und knickte um. Trotzdem biss er auf die Zähne und lief anschließend gegen Freiburg und in Reutlingen auf. „Dort habe ich genau auf die Stelle einen Schlag bekommen, nun haben sich Einlagerungen im Knöchel gebildet“, berichtet Stierle, der nicht am Training teilnahm, sondern Reha-Maßnahmen absolvierte.

„Ich hoffe, dass es bis Samstag reicht. Ich werde alles dafür tun, denn in den letzten fünf Spielen müssen wir nochmals alle Kräfte bündeln“, fordert der Kapitän, der zudem am linken Handgelenk verletzt ist und mit Bandage auflaufen müsste. Stellvertreter Chris Loser plagen muskuläre Probleme im Oberschenkel. „Die Verletzten dürfen letztlich kein Alibi sein, gegen Freiburg hat man gesehen, dass wir auch mit einer Notelf Punkte holen konnten“, so Stierle.

Über die trainingsfreien Ostertage konnte die Mannschaft von Trainer Gianni Coveli das 0:4 beim SSV Reutlingen verarbeiten. „Das war ein Schlag ins Gesicht, aber etwas Abstand über Ostern hat gut getan“, gibt Stierle zu, „jetzt wollen wir unseren Fans im Heimspiel etwas zurückgeben.“

Mit Neckarsulm hat der Sportverein noch eine Rechnung offen. Im letzten Verbandsliga-Spiel der Vorsaison besiegte die NSU den Sportverein mit 4:1 und holte sich die Meisterschaft. Der Göppinger Sportverein folgte über die Relegation in die Oberliga und will dort auch eine weitere Saison bleiben.

 
 

Als Mitaufsteiger aus der Verbandsliga-Württemberg spielen die Göppinger bisher eine beeindruckende Saison in der Oberliga und es ist kaum vorstellbar, dass sie mit aktuell 38 Punkten und dem 11. Tabellenplatz noch in akute Abstiegsgefahr geraten werden. Nach aktuellem Stand beträgt das Göppinger Polster auf dem ersten Abstiegsplatz sieben Punkte, bei noch fünf ausstehenden Spielen.

Besonders beeindruckend an der bisherigen Göppinger Bilanz: Die Abwehrstärke. Mit gerade einmal 30 Gegentoren in 29 Spielen verfügen die Mannen von Trainer Gianni Covelli über die aktuell drittbeste Abwehr der gesamten Oberliga – und das als Aufsteiger.

Auf Basis dieser starken Defensive versucht der GSV offensiv dann regelmäßige Konter-Nadelstiche zu setzen. Und wenn davon nur einer sitzt, und hinten die null steht, dann hat der GSV drei Punkte mehr auf dem Konto. Eine einfache, aber effektive Rechnung. Ganz so simpel ist das Göppinger Team-Konstrukt aber natürlich nicht. Selbstverständlich steht in Reihen der Gäste mit den letztjährigen Stützen Keeper Kevin Rombach, den Abwehrrecken Alessandro Nicastro, Tobias Clauß und Oliver Stierle sowie den Offensivkräften Domenico Botta, Chris Loser und Nebih Kadrija viel individuelle Qualität zur Verfügung. Und diese wurde vor allem durch drei Akteure maßgeblich verstärkt. Zum einen ist das der Ex-Profi der Stuttgarter Kickers Kevin Dicklhuber, der auf der Sechser-Position die klare Chefrolle beim Göppinger SV inne hat, zum anderen aber auch die beiden Ex-Heininger Marcel Schmidts, mit großer Dynamik ausgestattet und auf dem rechten Flügel beheimatet, sowie Franco Petruso, derzeit leider schwer am Knie verletzt.

Zur individuellen kommt auch noch die kollektive Stärke hinzu. So ist die Heimstärke ein weiteres großes Göppinger Plus. 26 der 38 Punkte sammelte man im heimischen Stadion, musste dort in 14 Spielen lediglich zweimal den Platz als Verlierer verlassen. Und Vorsicht – der GSV ist auch Spezialist für späte Tore.

Es wird natürlich spannend sein zu sehen, wie sich unser Team an der Hohenstaufenstraße schlagen wird. Die am letzten Samstag erreichten 52 Punkten sind ohne Frage eine grandiose Oberliga-Debütbilanz. Aktuell sind wir als Tabellendritter wieder „Best of the Rest“ hinter den beiden weit enteilten Teams des SC Freiburg II und des FSV Bissingen. Der ganz große Druck für unser Team ist allerdings fraglos nicht mehr vorhanden. Das kann auf der einen Seite natürlich befreiend wirken, auf der anderen Seite aber auch dazu verführen, auf den letzten notwendigen Schritt im Zweikampf zu verzichten. Sollte letzteres der Fall sein, dann wird es in Göppingen nichts für uns zu erben geben. Sollte unser Team aber an die engagierte erste Halbzeit letzte Woche gegen Offenburg anknüpfen können, dann dürfen sich die Besucher am Samstag in Göppingen auf eine hoch interessante und vor allem spannende Partie freuen.

 
 
 
Interview mit NSU-Trainer Thorsten Damm:
 
Wir konnten uns vor dem Spiel in Göppingen mit Sport-Union-Coach Thorsten Damm unterhalten:
 
 

Thorsten, kann man die Begegnung gegen Göppingen am Samstag fast schon als „württembergischen Classico“ bezeichnen?

T. D.: „Ich denke zum Teil schon. Beide Clubs haben sich ja bereits gegenüber gestanden, bevor ich Trainer in Neckarsulm wurde. Hinzu kommt, dass der GSV und die Sport-Union in den letzten Jahren oft sportlich einen gemeinsamen Weg gegangen sind, der beide Teams jetzt in die Oberliga geführt hat.“

 

Die Spiele gegeneinander waren oft heiß umkämpft…

T. D.: „Ich glaube, dass wir auch am Samstag ein interessantes Spiel erleben werden. Im Übrigen hat uns Göppingen oftmals als Orientierungspunkt gedient, weil sie einfach eine sehr starke Mannschaft haben. Hinzu kommt mit Gianni Covelli ein Trainer, der taktisch immer wieder neue und unerwartete Dinge macht. Man weiß im Vorhinein nie so genau, was er sich diesmal wieder ausgedacht hat.“

 

Das heißt, Spiele gegen den GSV sind auch für Dich als Trainer eine besondere Herausforderung?

T. D.: „In der Tat. Es ist immer von neuem spannend, wer aus dem breiten, starken Göppinger Kader diesmal zum Einsatz kommt, wie treten sie taktisch auf. Darüber kann man sich von Trainerseite vor dem Spiel zwar viele Gedanken machen, aber meist ist es so, dass sich taktisch vieles noch während der Begegnung entscheidet. Ich gehe davon aus, dass es auch diesmal so sein wird.“

 

Ist eigentlich unsere bekannte sportliche Situation, dass weder nach oben noch nach unten noch etwas geht, eher hilfreich oder eher hemmend?

T. D.: „Schwer zu sagen. Einerseits ist es schon irgendwie angenehm, dass der ganz große sportliche Druck in Richtung Klassenerhalt nicht mehr vorhanden ist. Das ist definitiv die Belohnung an unser Team für eine wirklich starke Saison. Daher muss ich zugeben, dass ich schon etwas Verständnis dafür habe, wenn wir eben einmal nicht dieselbe Abstiegskampf-Mentalität an den Tag legen wie beispielsweise Astoria Walldorf vor zwei Wochen.

Wir wollen dem dennoch entgegen wirken und die Spannung bis Saisonende hoch halten. Wir haben in diesem Zusammenhang beschlossen, den Fokus nun voll und ganz auf uns zu legen. Was können wir tun, um weiter erfolgreich sein? Ein Punkt ist sicher eine gewisse personelle Rochade, also Dinge auf dem Feld auszuprobieren: Und zwar mit dem Hintergrund dass Spieler, die von der Bank kommen auf ihren Einsatz brennen werden und somit für Leben auf dem Platz sorgen. Schauen wir mal, was dann am Saisonende herauskommt.“

 
 
Info: Wie auf der Facebook Seite des 1. Göppinger SV zu lesen ist, wird dort am kommenden Samstag das komplette Spiel unserer Sport-Union live übertragen (Anpfiff: 14 Uhr). Wir werden versuchen, den Übertragungs-Link auf unserer Homepage zu veröffentlichen.