13.06.16 - Das große Meisterschafts-Interview mit NSU-Sportdirektor Marco Merz (Teil 2)
 
Etwas mehr als eine Woche ist inzwischen vergangen, seit dem Triumph gegen Göppingen und dem direkten Aufstieg in die Oberliga. Keine Frage, es waren schön sieben Tage - für unseren Club und alle Beteiligten. Wir konnten mit Marco Merz, unserem Sportdirektor ausführlich über die abgelaufene Saison, das "finale Grande" aber auch über die Perspektive unserer Sport-Union in der Oberliga sprechen. Hier ist Teil 2 des großen Meisterschafts-Interview mit Marco Merz:
 
 

Ist es denn etwas Besonderes für Dich, dass wir nächste Saison in der Oberliga spielen?

M. M.: Für mich als aktiver Fußballer war die Landes-, bzw. Verbandsliga das sportlich maximal Machbare. Die Oberliga war daher für mich immer so etwas wie die Sehnsuchts-Liga, die ich als Spieler nie erreicht habe. Auch aktuell würde ich die Oberliga als die „Bundesliga des kleinen Mannes“ bezeichnen, sie ist eben die höchste Amateurliga, die es gibt und sehr attraktiv.

 

Die Oberliga war also so etwas die das Traumziel?

Ja, für uns als Verein, aber beispielsweise auch für diejenigen Spieler, die uns seit Landesliga-Zeiten treu begleiten. Ohne die Verbandsliga abwerten zu wollen, aber es ist schon nicht unbedingt ein sportlicher Traum in die Verbandsliga aufzusteigen. Aber die Oberliga ist definitiv etwas Außergewöhnliches – für unseren Verein, aber auch für unsere Spieler.

 

Du hast es angesprochen, es gibt Spieler, die uns seit drei Ligen begleiten.

M. M.: Ja, es ist schon Wahnsinn, wenn man beispielsweise die Entwicklung von Enzo Romano und Steffen Elseg betrachtet, die seit dem Aufstieg in die Landesliga bei uns spielen. Dann kamen zeitnah noch Spieler wie Steven Neupert, Marcel Susser, Christian Schaaf, Ouadie Barini dazu, die in der Tat bereits in der Landesliga für die Sport-Union gespielt haben. Wir haben den Aufstieg also quasi nicht kurzfristig erzwungen, sondern ihn Dank einer homogenen und gewachsenen Teamstruktur erreicht.

 

Wie wichtig waren denn darüber hinaus die erfahrenen Spieler wie Martin Hess, Marcel Busch oder Bogdan Müller?

M. M.: Eines ist auch klar, unsere hochtalentierten jungen Spieler, aber auch unsere bereits erwähnten langjährigen NSU- Haudegen: Sie alle gehen hochverdient in die Oberliga, hätten den Aufstieg "alleine" aber nicht geschafft. Um es ihnen jedoch zu ermöglichen in der Oberliga zu spielen, dafür haben wir einen Martin Hess, einen Bogdan Müller und einen Marcel Busch geholt. Diese Jungs brauchen die Oberliga nicht mehr für sich oder ihr Selbstwertgefühl – aber wir brauchen diese drei, um unserem Verein und den anderen Jungs die Oberliga zu ermöglichen.

 

Marco, noch eine kurze Einschätzung von Dir über die Stärke der Oberliga?

M. M.: Das könnte im nächsten Jahr die stärkste Oberliga aller Zeiten werden. Es gibt vier Absteiger aus der Regionalliga. Es ist ja schon verrückt, die Liga besteht aus 18 Mannschaften und acht davon, also fast die Hälfte, sind neu. Die Oberliga wird daher ein völlig neues Gesicht haben, aber ein qualitativ stärkeres. Vor allem in physischer Hinsicht werden wir mit ganz neuen Sphären konfrontiert werden.

 

Was stimmt Dich denn für kommende Saison optimistisch?

M. M.:  Zum einen die Gewissheit, dass wir über eine eingespielte, homogene und eng verbundene Mannschaft verfügen mit Spielern, deren Entwicklung noch weiter gehen wird. Und zum anderen die Gewissheit, dass Thorsten Damm für uns genau der richtige Trainer ist. Wir haben uns unter ihm ständig weiter entwickelt. Er ist jetzt mehr denn je der passende Trainer für uns.

 
 

Wie hoch ist aus Deiner Sicht der Anteil unseres Trainer-Teams am Triumph?

M. M.: Wenn ich über unser Trainer-Team spreche, ist Thorsten Damm sicherlich unser „spiritus rector“, der die spieltaktischen Dinge strategisch plant und festlegt. Doch Aydin Cengiz hält ihm in vielen Dingen den Rücken frei. Er ist für Thorsten ein exzellenter Ratgeber. Aydin hat aber auch gute, unseren Cheftrainer ergänzende Was macht Thorsten Damm so unverzichtbar für uns?

M. M.: Damm-Teams haben die Garantie, dass sie wenig Gegentore kassieren. Wir werden nächstes Jahr bestimmt nicht oft die Bude voll kriegen. Und eine stabile Defensive wird der erste Garant sein, um die Liga zu halten.

 

Ist denn schon ein Saisonziel formuliert?

M. M.: Wir sind bekannt dafür, dass wir maximal machbare Ziele anstreben und diese auch von unserer Mannschaft einfordern. Wir wollen dabei nicht überfordern, aber uns auch nicht mit zu wenig zufrieden geben. Aufgrund der fehlenden Erfahrungswerte sage ich aber: der Klassenerhalt ist unser klares Ziel im ersten Oberliga- Jahr. Ganz klare Aussage: Es gibt kein höher datiertes Ziel als den ersten Nichtabstiegsplatz zu erreichen.

 

Nörgler könnten jetzt die Beispiele Bissingen, Oberachern und Pforzheim anbringen, die als Aufsteiger in der letzten Spielzeit vordere Plätze in der Oberliga belegen konnten.

M. M.: Das gilt ohne Zweifel für die abgelaufene Runde. Doch für Ihre jeweilige Debütsaison in der Oberliga gilt das nicht. Ich denke, diese Clubs haben aus ihrer ersten Saison gelernt, denn diese endete sowohl für Bissingen als auch für Oberachern mit dem sofortigen Abstieg. Es gibt zig andere Beispiele von Teams, die in ihrer allerersten Oberliga-Saison direkt wieder nach unten gingen. Bruchsal, Kickers Pforzheim, Offenburg und und und. Dies sind Beispiele der vergangenen zwei Jahre.Deswegen gehen wir mit klarer Demut in die neue Saison. Wir haben aber auch die Gewissheit, dass Martin Hess, Marcel Busch oder Bogdan Müller auch in der Oberliga Extraklasse verkörpern. Zudem sehe ich bei zahlreichen weiteren Spielern in den nächsten 1-2 Jahren die Möglichkeit, noch besser zu werden, als sie es jetzt schon sind. Und dieses Paket kann uns auch für die Oberliga optimistisch stimmen.

 

In der Presse war ein Zitat zweier Neckarsulmer Vorstandsmitglieder zu lesen, wir müssten jetzt ein Bank überfallen… muss man sich dbzgl. Sorgen machen?

M. M.: (lacht) Keine Sorge, eine Bank müssen wir nicht überfallen. Zum einen haben wir unser Team längst ligaunabhängig geplant und werden mitnichten, weil wir in die Oberliga aufgestiegen sind, 8 oder 9 neue Spieler verpflichten. Zum anderen wird sich unser Etat im Vergleich zur letzten Verbandsliga-Saison kaum verändern.
Außerdem haben wir eine exzellente Homepage mit grandiosen Zugriffszahlen, die sich bestimmt wunderbar vermarkten ließe. Da ist so viel bisher noch ungenutztes Potential vorhanden. Wir haben es also durchaus in der eigenen Hand, daraus etwas zu machen und zudem auch das derzeitige tolle Image unserer Mannschaft für Marketing- Zwecke zu nutzen.