12.06.16 - Das große Meisterschafts-Interview mit NSU-Sportdirektor Marco Merz (Teil 1)
 
Etwas mehr als eine Woche ist inzwischen vergangen, seit dem Triumph gegen Göppingen und dem direkten Aufstieg in die Oberliga. Keine Frage, es waren schön sieben Tage - für unseren Club und alle Beteiligten. Wir konnten mit Marco Merz, unserem Sportdirektor ausführlich über die abgelaufene Saison, das "finale Grande" aber auch über die Perspektive unserer Sport-Union in der Oberliga sprechen. Hier ist Teil 1 des großen Meisterschafts-Interview mit Marco Merz:
 
 

Marco, etwas mehr als eine Woche ist seit unserem "Finale Grande" und dem großen Triumph „Oberliga-Aufstieg“ vergangen. Gibst Du uns einen Einblick in Deine Gefühlswelt?

M. M.: Ich bin immer noch sehr dankbar und ergriffen angesichts der tollen Erinnerungen vom letzten Samstag. Das ist wirklich ein Erfolg, den auch ich bereit bin, in vollen Zügen zu genießen. Im Ligaalltag ist es ja eher so, dass ich den Fokus, auch nach einem schönen Sieg, nahezu sofort wieder auf das nächste Spiel richte. Aber jetzt ist wirklich so ein Moment, wo ich das Glücksgefühl gerne annehme und auf mich wirken lasse.



Sind Dir in der letzten Woche denn zahlreiche Glückwünsche zuteil geworden?

M. M.: Absolut! Es kamen in der Tat viele Glückwünsche und ich weiß, dass diese auch alle ehrlich gemeint waren und von Herzen kamen. Wir wissen dies sehr zu würdigen und daher möchte ich auch ein großes Dankeschön an alle aussprechen, die uns ganz ohne Neid, sondern mit Freude und Anerkennung gratuliert haben.

 

Kommen  wir zum Finale Grande gegen Göppingen. Den 4:1-Sieg hatte wohl keiner im Kalkül. Wie kam es aus Deiner Sicht dazu?

M. M.: Nach dem enttäuschenden 2:2 gegen Nagold vor vier Wochen haben wir in den letzten vier Saisonspielen einen ganz speziellen, besonders lobenswerten Charakter unserer Mannschaft gesehen. Aus meiner Sicht hat das Team nochmals eine ganz spezielle Mentalitätsschärfe gezeigt.

 

Kannst Du das detaillierter beschreiben?

M. M.: Das hat angefangen beim Spiel in Backnang, hat sich dann fortgesetzt im Heimspiel beim 3:0 gegen Böblingen. Diese Begegnung war nochmals ein Quantensprung, weil wir dort 90 Minuten lang Dominanz pur gezeigt haben, was davor bei Heimspielen nicht die Regel war. Danach kam dieses absolute Willensspiel in Laupheim und Göppingen ist dann ohne Worte. Gegen den GSV waren klare Indizien sichtbar, dass unsere Mannschaft diesen Gegner im übertragenen Sinne auffressen will. Zusammen mit der Taktik unseres Trainers haben wir Göppingen komplett ratlos gemacht. Komplett ratlos und hilflos. 

 
 

Wie hoch ist aus Deiner Sicht der Anteil unseres Trainer-Teams am Triumph?

M. M.: Wenn ich über unser Trainer-Team spreche, ist Thorsten Damm sicherlich unser „spiritus rector“, der die spieltaktischen Dinge strategisch plant und festlegt. Doch Aydin Cengiz hält ihm in vielen Dingen den Rücken frei. Er ist für Thorsten ein exzellenter Ratgeber. Aydin hat aber auch gute, unseren Cheftrainer ergänzende Einflüsse beim Coaching während des Spiels.


Und Thorsten?

Die hervorragende Trainertätigkeit von Thorsten wird in dieser Saison in unglaublich vielen Facetten erkennbar. Ich habe schon immer gesagt, dass es eine Wahnsinns-Leistung ist, so wenig Gegentore zu bekommen. Dafür ist eine perfekte Organisation, eine perfekte taktische Disziplin erforderlich, die im Training über einen langen Zeitraum verinnerlicht wird.

Darüber hinaus beherrscht unser Team unterschiedliche Spielsysteme quasi auf Knopfdruck sicher, auch im ständigen Wechsel während des Spiels. Große Wertschätzung zolle ich Trainer und Team auch aufgrund der zahlreichen Tore bzw. der wenigen Gegentore nach Standardsituationen. Die Gegentore tendieren in der abgelaufenen Saison gefühlt gegen Null, zudem haben wir zahlreiche, auch entscheidende Standardtore erzielt. Dahinter steckt ein ganz klarer Plan und zielgerichtete Trainingsarbeit, die unser Trainer plant und die Jungs dann super umsetzen.

Ich möchte Dir noch etwas berichten, was den Charakter unserer Trainer dokumentiert.

 

Wir sind gespannt.

Nach unserem "Katastrophen"-Ergebnis und Erlebnis gegen Nagold, wo Du Dich am liebsten das ganze Wochenende einschließen möchtest: was machen unsere Trainer? Aydin fährt nach Laupheim, Thorsten fährt nach Göppingen, um dort die kommenden Gegner zu beobachten. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Reisen nicht unbedingt vergnügungssteuer-pflichtig waren. Ich habe ihnen aber schon damals gesagt, dass auch dieser Einsatz am Ende belohnt wird. Das Ende ist bekannt, wir haben beide Spiele gewonnen.

 
 

Hast Du Dich eigentlich vor dem Göppingen-Spiel damit beschäftigt, dass die ganze Sache auch hätte schief gehen können?

M. M: Mit diesen Gedanken habe ich mich eigentlich nicht beschäftigt. Salopp ausgedrückt habe ich immer gesagt, dass es für uns auch "ein Leben nach dem Tod" gegeben hätte. Sprich, wenn wir gegen Göppingen verloren hätten, wäre es ja mit der Relegation weitergegangen. Wir hätten dann Göppingen fair gratuliert. Und unser Team garantiert nach dem Spiel zusammengeholt, den Blick nach vorne gerichtet und vermittelt, dass wir uns vor einem halben Jahr klar zum Ziel „Aufstieg bekannt haben“, und dass wir uns dieses tolle Ziel auch weiterhin ohne wenn und aber erfüllen möchten. Dann eben über die Relegation.

 

Böse bist Du aber sicher nicht, dass es letztendlich anders kam.

Vor vier Wochen hätte ich das Erreichen der „Relegation“ ohne Wenn und Aber unterschrieben. Aufgrund der nahezu ausgeglichenen drei Bewerber Essingen, Göppingen und unserer Sport-Union hätte es ja durchaus passieren können, dass Du am Ende auf Platz drei gar nichts hast. Doch dann kam die bereits erwähnte Mentalitätsschärfe unseres Teams und ich sage ganz klar, in den letzten vier Spielen waren wir die beste Mannschaft der Liga. Und zwar deutlich. Die Leistung gegen Göppingen hat dies eindrucksvoll untermauert. So habe ich unser Team noch nicht gesehen, das war verdammt stark.

 

Was wäre denn passiert, wenn es nicht geklappt hätte?

M. M.: Bei den entscheidenden Personen im Verein haben wir den kompletten Rückhalt. Aber ich bin Realist, es ist mir voll bewusst, dass wir Kritik und Häme geerntet hätten, wenn wir nicht aufgestiegen wären. Ich möchte aber anfügen, dass ich kein Team kenne, das in den ersten zwei Jahren in die Oberliga aufgestiegen ist, selbst Hollenbach und Sonnenhof Großaspach brauchten drei Jahre dafür, Hoffenheim war fünf Jahre in der Verbandsliga. Du steigst also nicht in die Verbandsliga auf und machst direkt danach den Durchmarsch. Deswegen hätte ich es auch als ungerecht empfunden, wenn man Häme über uns ausgeschüttet hätte, wären wir in dieser Saison noch nicht aufgestiegen. Das ist also mitnichten ein selbstverständlicher Aufstieg, sondern eine tolle Leistung aller Beteiligten.

 

Die Jubelbilder zeigen eindrucksvoll, wie ausgelassen unser Team am Samstag den Aufstieg zelebrierte. Hat Dich das überrascht?

M. M.: Ich seziere ja nahezu alle Bilder von der Jubelfeier. Da entdeckt man unglaublich viele kleine Details. Wenn ich sehe wie Bogdan Müller sein Tor rausbrüllt, wie ein Buschi den Aufstieg feiert, als sei es sein erster gewesen. Diese Einzeldetails faszinieren mich, sie zeigen, wie ehrlich diese Freude ist. Auch und vor allem bei Spielern, die schon in ganz anderen Sphären gespielt haben.

 

Da wären wir auch schon bei unserem Team.

M. M.: Unsere Mannschaft zeichnet aus meiner Sicht aus, dass ein großes Vertrauen bei den Spielern untereinander, aber auch gegenüber dem Verein vorhanden ist. Ich sehe mit Freude, dass die Jungs den Teamspirit durch teamförderliche Maßnahmen selbst massiv gestärkt haben. Auch das Verhalten unserer Ersatzspieler war extrem vorbildlich. Dies äußert sich in dem Fakt, dass kein Spieler diese Mannschaft, diesen Verein verlassen möchte, auch kein scheinbar unzufriedener Ersatzspieler, der sich nach mehr Einsatzzeiten sehnt. Dies ist für mich ein klares Zeichen, dass die Jungs sich im Team sehr wohl fühlen.

 

Das macht doch durchaus auch Mut für die kommende Oberliga-Saison, oder?

M. M.: Definitiv.