06.08.13 - Nachlese zum DFB-Pokalkracher gegen Kaiserslautern
 
Schluß, Aus und vorbei. Nach 6 Wochen Intensivvorbereitung, gefühlten 100 E-Mails (mit mindestens 80-seitigen Anhängen) und 50 Anrufen pro Tag, zahlreichen Nachtschichten und ungezählten investierten Arbeitsstunden ist die DFB-Pokalbegegnung gegen den 1. FC Kaiserslautern nun also Geschichte. Die Medienvertreter sind längst abgereist, die grüne DFB-Bandenplane im Frankenstadion ist entfernt, alle Übertragungswagen stehen wieder bei ihren Sendern und unsere Jungs gehen heute wieder ihrer Arbeit nach. Der Alltag, er hat in Neckarsulm also wieder Einzug gehalten - auch wenn unser "Spiel des Jahrzehnts" zumindest in unseren Gedanken noch allgegenwärtig ist. Wir haben einige Pokalsplitter rund um die Begegnung gegen den FCK zusammengetragen.
-
***** Der Umzug ins Frankenstadion brachte auch für das Neckarsulmer Orga-Team logistische Unwägbarkeiten mit sich. So musste beispielsweise das Sponsorenbanner im Pressekonferenzraum befestigt werden, ohne auch nur ein Loch bohren zu dürfen. Notdürftig mit Kabelbinder und Klebeband wurde die Plane schließlich befestigt, allerdings immer mit der Angst bei der PK-Raum-Verantwortlichen Sandy im Hinterkopf, diese könnte während der Pressekonferenz herunterfallen und uns damit den peinlichsten Fernsehmoment des Jahres bescheren. So bibberten und zitterten wir während der gesamten PK und hofften, die Trainer (Sorry, Timo) halten sich kurz. Und tatsächlich - unsere Gebete wurden erhört und die Befestigung hielt die gesamte Pressekonferenz über. Das Aufatmen war groß, ehe, die beiden Coaches hatten just den Raum verlassen, unsere Plane mit einem lautem Geräusch nach unten sackte. Gutes Timing kann man da nur sagen. *****
 
***** Nicht nur die beteiligten Spieler müssen sich auf eine Fußball-Pokalbegegnung vorbereiten, nein auch für Fans ist die richtige Einstimmung auf ein Fußballspiel von enormer Bedeutung. Diesbezüglich waren die Kaiserslauterer Anhänger gut informiert und vertrieben sich die Zeit bis zum Anpfiff bei enormer Hitze in großer Zahl im nahegelegenen Freibad Neckarhalde oder im noch näheren Biergarten Foodcourt. Es gibt sicherlich schlechtere Orte, um sich die Zeit bis zum Beginn eines DFB-Pokal-Erstrundenspieles zu vertreiben. *****
- 
***** Auch FCK-Pressesprecher Christian Gruber hatte auf der NSU-Homepage unseren Artikel "19 Gründe, warum wir gegen den FCK nicht chancenlos sind" durchgelesen. Bereits eine Stunde vor dem Anpfiff zerstörte er jedoch all meine Illusionen vom Blauen Neckarsulmer Wunder: "Ingo, ich sage Dir nur einen Grund, warum ihr heute keine Chance habt: Unser Coach Franco Foda hat hier vor fast 20 Jahren beim letzten DFB-Pokalspiel im Frankenstadion mit Bayer Leverkusen 2:0 gewonnen. Und Geschichte wiederholt sich bekanntlich", meinte er augenzwinkernd. Leider, Christian, hattest Du recht, leider :-) *****
 
- 
***** Unsere Jungs betätigten sich nach dem Abpfiff als Trophäensammler. Die Trikots der Lauterer waren die Objekte der Neckarsulmer Begierde, und in der Tat konnten einige NSU-Spieler verschwitzte rote Jerseys ergattern. Nur einer blieb ganz cool, unser Coach Timo Böttjer. "In meiner ganzen Karriere habe ich erst einen einzigen Spieler um dessen Trikot gebeten und das war Bernd Schneider von Bayer Leverkusen. Und der wollte es mir nicht geben, weil er sauer auf mich war." Da hatte unser Timo dem Nationalspieler in den 90 Minuten zuvor beim 3:2-Sensations-Pokalsieg seiner damaligen Hoffenheimer gegen den Werksclub wohl zu hart zugesetzt. *****
 
- 
***** Apropos Timo Böttjer. Seine Ansprache vor der Begegnung war wie immer ein Erlebnis. Er startete mit den Worten: "Jungs, wollt ihr heute Geschichte schreiben? Wollt ihr heute wirklich Geschichte schreiben? Dann müsst ihr einfach 18:0 verlieren, das wäre dann die höchste DFB-Pokalniederlage in der Geschichte." Als er auf das Team der Lauterer zu sprechen kam meinte er: "Das sind Fußballer wie ihr auch, nur dass sie ein bisschen mehr Geld verdienen." Gelächter in der Kabine. Ich musste meinen Jungs etwas die Angst und Nervosität nehmen, begründete Timo seine ungewöhnlichen Worte. *****
 
- 
*****Er hatte sich so gut vorbereitet, unser Stadionsprecher Jens Ademmer. 100-mal ist er diesen einen Namen durchgegangen. 100-mal hatte er ihn richtig und unfallfrei ausgesprochen. Und dann kam er, jener 03.08.13, 15:24 Uhr. "Und jetzt die Mannschaftsaufstellung unserer Neckarsulmer Sport-Union!" Schwarz auf Weiss stand es auf dem Spielberichtsbogen geschrieben: REDOUANE BOUIDIA. "Redo… Red… Redouane Bou… Bou… Bouidia". nach gefühlten 30 Sekunden war es raus! Man muss unserem Jens zugute halten, er hat nicht aufgegeben, bevor er Redos Name tatsächlich komplett und richtig ausgesprochen hatte. Diese Beharrlichkeit zeichnet Dich aus, lieber Jens. Du weißt ja, am 14.08. gegen Großaspach hast Du die nächste Chance… Aber Spaß beiseite, sowohl Jens als auch unser Stocki haben einen richtig guten Job gemacht. *****
 
 
***** Eines ist seit Samstag felsenfest klar. Die NSU und der FCK verbindet ab sofort eine Fan- und Vereinsfreundschaft. Da verzeihen wir den Roten Teufel, bzw. der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit auch, dass sie uns bei ihrem Youtube Film von der Pressekonferenz in der Intro-Grafik als "Neckarsulmer Sportfreunde" bezeichnet haben. Kann ja mal passieren - und Freunde sind wir jetzt ja in der Tat :-) *****
 
 
**** Hohe (und für uns in diesen Ausmaßen schon überraschende) Wellen schlug unser Dankeschön an die FCK-Fans für ihr grandioses Verhalten während und nach der Pokalbegegnung. Unter anderem waren unsere Bilder von den Feierlichkeiten in der SWR-Sendung "Flutlicht" zu sehen, auch in diversen anderen Medien wurde darüber berichtet. Wir geben aber gerne zu, dass uns am meisten die Resonant der FCK-Fans selbst erfreut hat. Daher ein riesengroßes Dankeschön für jeden einzelnen Kommentar und Eintrag auf den einschlägigen Fanseiten und sozialen Netzwerken hierzu." *****
 
 
***** Ein letzter Blick zurück zum Spieltag: Samstag, 03.08.13, 22:15. Ein abschließender Besuch in die (verlassenen) Kabinen beider Teams. Denn auch dort machten sich, wie zuvor auf dem Feld, ebenfalls gravierende Unterschiede bemerkbar. Auf der einen Seite die FCK-Kabine, sauber aufgeräumt, kein Abfall auf dem Boden liegend - und als Kontrast dazu die Neckarsulmer Kabine, mit einem Boden, der mit Kuchen, Cola-Flaschen, Verbänden und Klebeband geradezu übersät ist. Wobei, eine Sache haben die Lauterer dann doch vergessen aufzuräumen, das Taktik-Flipchart von Trainer Franco Foda. Wir haben es uns gesichert und dieses Teil wird ab sofort ein Ehrenplatz im NSU-Museum erhalten - versprochen, Herr Foda. *****