30.07.13 - NSU-Historie: 1967-der FCK spielt auf dem Pichterich
 

03.08.13, DFB-Pokal, Neckarsulmer Sport-Union vs. 1. FC Kaiserslautern. Die NSU hat in vier Tagen die große Fußballwelt zu Gast. Und man könnte in der Tat meinen, es sei das erste sportliche Aufeinandertreffen unseres Clubs mit den Roten Teufeln. Doch dem ist nicht so…

 
 

Rückblick: Wir schreiben das Jahr 1967. In deutschen Wohnzimmern wird erstmals Fernsehen in Farbe gesendet, der FC Bayern München gewinnt den Europapokal der Pokalsieger gegen die Glasgow Rangers und Eintracht Braunschweig wird Deutscher Fußballmeister. Mitte des Jahres finden in Neckarsulm hinter verschlossenen Türen Verhandlungen statt. Der aktuelle NSU-Erfolgscoach Dietrich Weise, der das Team 1964 u.a. zum WFV-Pokalsieg geführt hatte, bittet NSU-Vorstand Albert Klumpp um seine Freigabe. Otto Knefler, Chef-Trainer von Bundesligist 1. FC Kaiserslautern möchte Weise als seinen Assistenten verpflichten - ein verlockender Karrieresprung. Albert Klumpp fackelt nicht lange: "Selbstverständlich werden wir Ihnen diese Chance nicht nehmen, aber versprechen Sie uns, wenn es in Lautern nicht läuft, melden Sie sich sofort. Wir kriegen einen Rückkehr ganz bestimmt hin." Auch mit dem FCK werden sich die Neckarsulmer Verantwortlichen schnell einig: Für 1500 D-Mark (O-Ton Dietrich Weise: Soviel bekommt heute ein B-Jugend-Trainer im Monat) sowie einem vereinbarten Testspiel zwischen der NSU und dem FCK wird Dietrich Weise 1967 also ein "Roter Teufel".

Und so kam es, dass am 17.09.1967 tatsächlich der große FCK im Pichterichstadion gegen unsere Sport-Union antrat. 2000 Zuschauer säumten das Rund und gaben der Begegnung einen würdigen Rahmen. Die Pfälzer hatte nur einen Tag zuvor ihr Bundesliga-Spiel beim TSV 1860 München bestritten und gegen Radenkovic, Brunnenmeier und Co. mit 3:0 gewonnen. "Wir haben dann mit exakt derselben Mannschaft einen Tag später in Neckarsulm gespielt. Das wäre heute unvorstellbar", so Dietrich Weise. Bekannteste Akteure beim FCK waren damals Otto "Rehakles" Rehhagel, Uwe "Klima" Klimaschewski, Helmut Kapitulski und Gerd Roggensack.

Sie alle traten also an jenem 17.09.1967 im Pichterichstadion an und die Neckarsulmer gingen mit dem Ziel in die Begegnung, eine zweistellige Niederlage gegen den Erstligisten zu vermeiden. Geleitet wurde die Begegnung von Erich "Mäusle" Pfleiderer, einer leider inzwischen verstorbenen Unterländer Schiedsrichterlegende.

Die Gäste aus der Pfalz gaben von Anfang an mächtig Gummi, von wegen Testspiel… Bereits nach vier Minuten lag das Leder im Neckarsulmer Netz. Das 20-jährige Talent Hansing hatte NSU-Torwartikone Günter "Botzi" Seitz überrascht. Gerd Roggensack, tags zuvor in München dreifacher Torschütze, erhöhte in der 19. Minute auf 2:0. Doch nun hielt unsere NSU hervorragend dagegen und der Bundesligist konnte immerhin 53 Minuten lang keinen weiteren Treffer erzielen. Vor allem die Neckarsulmer Defensive namentlich Back Engel und Dieter Dollmann imponierten gegen die Bundesliga-Stars mit gesunder Härte. In der Offensive beeindruckte der gerade einmal 18-jährige Kurt Schwarz mit einigen Sololäufen durch die rote Abwehrreihe, was ihm zahlreichen Szenenapplaus einbrachte. Wie ernst auch die Gäste aus der Pfalz die Begegnung nahmen, zeigte das engagierte Auftreten von Cheftrainer Otto Knefler, der immer wieder energisch Anweisungen ins Spielfeld rief.

Durch Treffer von erneut Hansing (72.), Windhausen (75.) und Fuchs (87.) schraubte der FCK das Ergebnis am Ende dann doch noch standesgemäß auf 5:0, ein Resultat, mit dem die Neckarsulmer sehr gut leben, und den Rasen erhobenen Hauptes verlassen konnten.

Eine Sache wäre da aber noch ("Botzi", dass können wir Dir nicht ersparen): Im Bericht der Heilbronner Stimme steht über unseren damaligen Keeper und jetzigen Edelfan geschrieben." Torwart Seiz war mindestens bei zwei Treffern mitschuldig. Ihn zeichnet eine gute Reaktion aus, aber er lässt zu viele Bälle fallen." Doch es kommt noch schlimmer: "Dem Lauterer Führungstreffer möchten wir seiner Nervosität zuschreiben, der Hansing-Aufsetzer rutschte Seiz durch die Beine." Botzi, was war da los????

Nichtsdestotrotz bleibt jenes erste Gastspiel der Lauterer vor 46 Jahren als Fußballfest im Unterland in Erinnerung; ein rundum gelungenes Event, das allerdings am kommenden Samstag unbedingt noch getoppt werden soll.