27.02.17 - So sieht es der Gegner: FSV Bissingen vs. NSU 1:3
 
(c) SWP / Bietigheimer Zeitung vom 27.02.17
 

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

von Andreas Eberle

Andreas Lechner war nach der 1:3-Heimpleite des FSV 08 Bissingen im Oberliga-Topspiel gegen die Neckarsulmer Sport-Union angefressen und redete Tacheles. Der Trainer monierte bei seiner schonungslosen Analyse einen „blutleeren Auftritt“, die „bisher mit Abstand schwächste Saisonleistung“ – und rügte die Einstellung seiner Mannschaft. „Wenn die Jungs nicht bereit sind, zu laufen, zu kämpfen und die Zweikämpfe anzunehmen, werden wir in den nächsten Wochen nicht mehr viele Punkte holen“, sagte Lechner. Durch die dritte Niederlage in dieser Runde büßte der Klub vom Bruchwald die Tabellenführung ein und rutschte auf Platz zwei. Denn der neue Spitzenreiter SC Freiburg II gab sich am Sonntag im Reservenduell bei den Stuttgarter Kickers II kein Blöße und gewann 3:0.

Lechners Schelte hatten die Bissinger Fußballer verdient. Gegenüber dem überzeugenden Auswärtsauftritt beim SSV Reutlingen (3:1) waren sie nicht wiederzuerkennen. Ohne Mumm, Biss und Selbstvertrauen gingen die Nullachter auf dem Kunstrasen zu Werke. Eine Siegesmentalität legte am Samstag nur der Tabellenvierte aus Neckarsulm an den Tag. Wie schon im Hinspiel, das die Unterländer mit 1:0 gewonnen hatten, war die Sport-Union auch diesmal besser und fuhr verdientermaßen die drei Punkte ein. Die NSU hat somit drei der letzten vier Punktspiele gegen den FSV 08 gewonnen und sich damit endgültig zum Bissingen-Schreck aufgeschwungen.

Nach 50 Minuten lag Neckarsulm bereits mit 3:0 vorne. Der Aufsteiger nutzte seine erste Chance gleich zur Führung: Nach einem Einwurf der Gäste bekam die Abwehr der Nullachter den Ball nicht aus der Gefahrenzone, und Marcel Gerstle traf aus 14 Metern flach ins linke Eck. Schön anzusehen war das zweite Tor der Sport-Union: Nach einem Doppelpass mit Gerstle bediente der Ex-Freiberger Ouadie Barini den mitgelaufenen Marc Schneckenberger mit einem Querpass – und der jagte den Ball elegant mit dem Außenrist zum 0:2 ins lange Eck (34.). Fünf Minuten nach der Pause folgte der dritte Neckarsulmer Streich. Diesmal köpfte Barini eine Flanke von Gerstle ein. In dieser Situation hatte 08-Rechtsverteidiger Manuel Sanchez nicht aufgepasst.

Erste 08-Ecke in der 58. Minute

Die Deckungslücken im Abwehrverbund waren allerdings nur ein Manko. Auch im Offensivspiel zeigte sich die Bruchwald-Elf ungewohnt fahrig. Von dem sonst üblichen schnellen Umschaltspiel war wenig zu sehen. Die einzige gute Chance im ersten Durchgang resultierte aus einer Einzelaktion von Pierre Williams. Der Außenverteidiger tankte sich über links durch, scheiterte aber aus spitzem Winkel an NSU-Keeper Marcel Susser (13.). Bezeichnend: Die erste Ecke durften die Hausherren erst in der 58. Minute (!) ausführen. Auch die Einwechslung der Offensivkräfte Patrick Milchraum und Pascal Hemmerich verpuffte fast wirkungslos. Die größte Chance hatte Marian Asch, der nach einem Steilpass von Oskar Schmiedel mit einem Aufsetzer das Gästegehäuse nur um Zentimeter verfehlte.

Richtig Druck übten die Bissinger nur in der Endphase aus, nachdem Kapitän Schmiedel mit einem sehenswerten Frei­stoß-Aufsetzer aus 28 Metern Tor­entfernung auf 1:3 verkürzt hatte (81.). Zwingende Möglichkeiten sprangen aber nicht mehr heraus. Dafür mussten die Nullachter froh sein, dass ihr Schlussmann Sven Burkhardt – mit Schmiedel der einzige Bissinger in Normalform – einen Schuss von Sebahattin Öztürk mit einem Reflex entschärfte und so den vierten Ne­ckarsulmer Treffer verhinderte.

„In den vergangenen Jahren war es bei uns immer so, dass einem guten Spiel eine eher schwache Leistung folgte“, sagte Coach Lechner, angesprochen auf die zwei unterschiedlichen Gesichter, die sein Team in den beiden Partien nach der Winterpause gegen Reutlingen und Neckarsulm gezeigt hatte. Sein Erklärungsversuch: „Vielleicht sind die Spieler nach einem starken Auftritt schon zufrieden.“