19.11.16 - 1:2-Niederlage in Pforzheim - NSU vergisst sich zu belohnen
 

Fußball-Oberligist Neckarsulmer Sport-Union schrammte beim CfR Pforzheim nur knapp an einem Punktgewinn vorbei. Trotz einer starken Leistung unterlag die Pichterich-Elf in der Goldstadt etwas unglücklich mit 1:2. „Mentalität, Leidenschaft und Charakter waren bei unserem Team gegen diesen ambitionierten Gegner absolut vorhanden. Schade dass dies nicht mit einem Punkt belohnt wurde“, analysierte NSU-Sportdirektor Marco Merz nach dem Abpfiff.

Die beiden Kontrahenten gingen mit komplett unterschiedlichen Zielen in diese Oberliga Saison. Während die Gastgeber aus Pforzheim nach Platz 5 in der Vorsaison mit einem Auge in Richtung Regionalliga-Aufstieg schielten, gab es für die Sport-Union nur eine Vorgabe: Den Klassenerhalt. Doch die Oberliga-Tabelle sprach vor dem Duell eine andere Sprache, stand die NSU dort doch am ersten Rückrundenspieltag überraschend einen Platz vor den Pforzheimern.

Dem Tabellenbild entsprechend entwickelte sich über die kompletten 90 Minuten ein Spiel auf Augenhöhe, ein weiterer Beleg dafür, dass die Sport-Union auch mit den ambitionierteren Teams der Liga mithalten kann.

Besser in die Begegnung starteten jedoch die Gastgeber, bereits nach 27 Sekunden musste NSU-Goalie Marcel Susser bei einem Schuss von Dirk Prediger eingreifen. Schnell wurde allerdings offensichtlich, dass die Begegnung sehr unter den schwierigen Platzbedingungen litt, der extrem tiefe Untergrund stellte beide Teams vor gehörige Probleme. Dementsprechend operierten beide Kontrahenten überwiegend mit langen Bällen. „Da blutet einem schon ein wenig das Herz, wenn zwei Teams, die bevorzugt über das Spielerische kommen, sich auf solch einem Platz messen“, gab NSU-Coach Thorsten Damm zu. Doch wer den Übungsleiter der Sport-Union kennt, weiß, er würde die Rasenverhältnisse niemals als Alibi verwenden.

Die Pforzheimer hatten erwartungsgemäß ein Plus an Ballbesitz, es dauerte aber bis zur 35. Minute, ehe die Gastgeber zur nächsten Torchance kamen. Nach einem Eckball kam der brandgefährliche CfR-Torjäger Daminik Salz relativ unbedrängt zum Kopfball, doch die Kugel landete, noch leicht abgefälscht, in den Armen von Marcel Susser.

Die Sport-Union stand im ersten Durchgang zwar defensiv sehr kompakt, kam aber in der Offensive über positive Ansätze heraus. Die aussichtsreichste Gelegenheit hatte Bogdan Müller, der in der 20. Minute nach feinem Solo aus spitzem Winkel am Pforzheimer Schlussmann scheiterte.

War der erste Durchgang von Taktik und Disziplin geprägt, so standen beide Teams in Hälfte zwei etwas offener und es entwickelte fast so etwas wie ein offener Schlagabtausch. Dabei lagen die Vorteile zunächst bei den Gästen aus Neckarsulm. Die ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit waren die stärksten der Pichterich-Elf, und nährten sogar die Hoffnung, dass mehr als ein Punktgewinn in der Goldstadt möglich war. In der 53. Minute hatte Henrik Hogen die große Chance zur Führung, scheiterte jedoch nach schöner Sport-Union Kombination aus zehn Metern am glänzend reagierend Manuel Salz im Pforzheimer Gehäuse.

Mitten in die Neckarsulmer Dominanz schlugen die Pforzheimer dann eiskalt zu. Mit der ersten Offensivaktion im zweiten Durchgang erzielte der kurz zuvor eingewechselte Cemal Durmus das 1:0 für den CfR. Besonders ärgerlich: Der Treffer fiel nach vorherigem Freistoß der Neckarsulmer, der folgenschwere Konter wurde zudem nicht konsequent genug verteidigt.

Nur vier Minuten nach diesem Genickschlag bot sich Henrik Hogen die große Chance zum fast postwendenden Ausgleich. Nach Vorarbeit von Marcel Gerstle traf der NSU-Youngster jedoch frei vor Salz die Kugel nicht richtig. Weitere vier Minuten später die nächste gute Möglichkeit für die leidenschaftlich kämpfenden Gäste. Diesmal ging Seba Öztürk auf und davon, doch wieder vereitelte Salz mit einem Reflex den Ausgleich (69.).

Sechs Minuten vor dem Abpfiff folgte dann die scheinbare Entscheidung. Nach einem abgewehrten Eckball drosch Sebastian Rutz das Leder volley ins rechte Eck. Zugegebenermaßen ein Traumtor des CfR-Kapitäns. Thorsten Damm ärgerte sich natürlich trotzdem: „Ein Tor bekommen wir nach einem Konter nach eigenem Freistoß, eines resultierend aus einem Gewaltschuss. Das sind genau die zwei Situationen, die Du auf diesem schwierigen Untergrund vermeiden musst.“

Doch seine Mannschaft wollte die Niederlage noch nicht akzeptieren. Ouadie Barini verkürzte nur kurz danach per Kopfball-Bogenlampe auf 1:2. Obwohl die Sport-Union am Ende alles nach vorne warf, mehr als eine vergebene Kopfballchance von Steven Neupert war bis zum Schlusspfiff nicht mehr zu notieren. So blieb es beim etwas glücklichen, wenngleich nicht unverdienten Erfolg der Heimelf. „Wir haben insgesamt zu oft versucht, spielerische Lösungen im Mittelfeld zu finden und haben es versäumt, gradlinige Konter zu setzen oder selbst einmal den aus der Distanz den Abschluss zu suchen“, so Thorsten Damm abschließend, der seiner Mannschaft dennoch ein Lob für den großen Einsatz zollte.

Am Ende kann der Sport-Union eine engagierte Leistung beim Favoriten bescheinigt werden, man hatte einfach nur vergessen, sich dafür mit einem Punktgewinn zu belohnen.

NSU: Susser, R. Neupert, Busch (85. Busch), Gotovac, Klotz, S. Neupert, Schneckenberger, Seybold (78. Barini), Gerstle, Hogen (65. Öztürk), Müller

 
 
Bilder zum Spiel:
 
Vor dem Anpfiff
In Neckarsulm regnete es - in Pforzheim brauchte NSU-Betreuer Markus Grasi seine Sonnenbrille!
Gute Laune vor dem Anpfiff: Marcel Gerstle und Marco Merz
Marcel Susser gab schon beim Aufwärmen alles - wie dieses Bild beweist
Die beiden Kapitäne Sebastian Rutz und Marcel Busch
Marcel Gerstle gegen Danuel Schick
Marcel Susser muss gegen Pforzheims Topstürmer Daminik Salz alles riskieren
Bogdan Müller vor Jannik Schramm am Ball
Ernesto de Santis foult hier Philipp Seybold beim Kopfballduell
Ball eingeklemmt: Henrik Hogen und sein Gegenspieler
Das Spiel bot den Zuschauern viele lange Bälle und demnetsprechend auch viele Kopfballduelle
Marcel Susser packt zu
Henni Hogen mit Gefühl gegen Sebastian Rutz
Dann kam der Regen in Pforzheim
Marius Klotz klärt vor Daminik Salz
Bogi muss sich gegen gleich zwei Pforzheimer durchsetzen
Gelb für Dirk Prediger, der sich bei Henrik Hogen sofort entschuldigte
Und dann kam die Sonne - mit Auswirkungen für die Sicht der Spieler
Philipp stoppt hier mit viel Einsatz Daminik Salz
Philipp Seybold
Henrik Hogen hat den Ball im Visier
NSU-Coach Thorsten Damm hatte nachweislich das falsche Schuhwerk gewählt
Bogdan Müller
Marcel Busch klärt vor dem heranstürmenden Salz
Steven Neupert kompromisslos gegen Dirk Prediger
Marcel Busch
Steven kann sich hier die Kugel sichern
Akrobatisch: David Gotovac
Dann war die Kugel drin, Torschütze Ouadie Barini dreht jubelnd ab - doch am Ende blieb es beim 1:2